Streik der Emotionsarbeitenden

Mental Load? Streik! 
Wa[h]re Liebe? Streik!
Lächeln müssen? Streik!

Neulich hat sich die Gewerkschaft der Emotionsarbeitenden (GEA) das 1. Mal getroffen. Das Treffen dauerte 1 Stunde und daraus ging hervor, dass 1 Monat lang verschiedene emotionale Arbeiten bestreikt werden.

Hier findet ihr den kompletten Aufruf

Lieber …,

vielleicht hast du schon davon gehört, vielleicht auch nicht: vor Kurzem hat sich die Gewerkschaft der Emotionsarbeitenden gegründet und ruft zum Bestreiken von Emotionsarbeit (Fürsorgearbeit) auf. Ziel der Streikaktion ist es, ganz konkret Emotionsarbeit zu bestreiken, um sie sichtbar zu machen und ihr den Wert zukommen zu lassen, der ihr zusteht. Dieser Streik beginnt am 8. Februar und endet am 8. März.
Wie du dir vorstellen kannst, werde ich mich an diesem Streik beteiligen. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, wie so ein Streik für mich ganz konkret aussehen kann und wen er betreffen soll.

In meiner WG bestreiken meine Mitbewohnerin und ich in diesem Zeitraum komplett die Hausarbeit, in meiner Beziehung zu … bin ich schon vor ein paar Wochen in eine Form von Emotionsarbeitsstreik getreten und ich würde sagen, wir befinden uns gerade in Tarifverhandlungen. Deshalb ist meine Wahl auf insgesamt 4 Männer* gefallen, mit denen ich – für mein Gefühl – eine enge Freund:innenschaft habe. Und du bist einer von ihnen!

Warum Du? Weil du mir wichtig bist, ich mich mit dir wohl fühle und du mich schon viele Jahre in meinem Leben begleitest. Weil ich von dir glaube, dass du diesen Streik verstehen kannst und seine Notwendigkeit anerkennst. Weil ich mir wünsche, dass wir dieses Experiment gemeinsam machen und ich neugierig bin, ob und wie sich unsere Freund:innenschaft dadurch vielleicht verändert.

Ganz konkret werde ich folgende Dinge bestreiken, die ich in den vergangenen Jahren (zu) oft übernommen habe und die klassischerweise v.a. von FLINTA getan werden:

Mich bei dir melden und dich fragen, ob wir uns sehen können.

Dich fragen, wie es dir geht, bevor du mich fragst, wie es mir geht.

Die Verantwortung für das Gespräch übernehmen und es aktiv gestalten.

Immer wieder nachhaken, wenn du oberflächliche Antworten gibst und sehr konkrete Nachfragen stellen.

Dinge von mir aus erzählen, auch wenn du mir keine konkreten Fragen stellst.

Unangenehmes ansprechen.

Dich um eine Rückmeldung bitten, wenn ich dir von einem Problem erzähle und du dich nicht von selbst dazu äußerst/dich selbst dazu in Beziehung setzt/mitfühlend bist.

Ich will nicht darauf hinaus, dass nur ich diese Dinge normalerweise tue und dass du nichts davon tust. Aber ich tue ALLE diese Dinge SEHR OFT. Ich will auch nicht darauf hinaus, all diese Dinge generell nicht mehr zu tun. Sie sind nämlich ungeheuer wichtig für den Aufbau, die Pflege und Entwicklung von engen Beziehungen. Sie schaffen Verbindung, stellen Verbindlichkeit her und sind ARBEIT. Ich wünsche mir darum einfach, dass du sie in einem ähnlichen Maße tust.

Darüber hinaus wünsche ich mir von dir, dass du über folgende Fragen nachdenkst und mir schreibst oder sagst:

1. was du eigentlich an mir als Person schätzt und magst – warum bist du mit mir befreundet?
2. was konkret du an unserer Freund:innenschaft schätzt – was ist dir an unserer Beziehung wichtig?
3. was dir in unserer Freund:innenschaft vielleicht fehlt – und: wie könnten wir es gemeinsam angehen, diese Leerstelle(n) zu füllen? Die Form ist mir dabei völlig egal – deine Gedanken können auf einer Postkarte stehen, in einer SMS oder du erzählst mir davon in einer Sprachnachricht oder einem Treffen.·       

dass du für dich eine Visualisierung machst (z.B. in Form einer Mindmap), in der du die Menschen aus deinem nahen Umfeld und deine Beziehung zu ihnen darstellst (z.B. Familie, Freund:innen, Liebesbeziehung(en), Arbeitskolleg:innen, Nachbar:innen). Was schätzt du an ihnen, wie hat sich eure Beziehung entwickelt und warum? Welche Themen besprichst du mit ihnen und welche nicht?  

Schau dir jetzt an, mit wem du Dinge oder Probleme teilst, die dir emotional nahe gehen. Sind das überwiegend FLINTA, die die Emotionsarbeit mit dir/für dich machen?·       

Wenn dem so ist, führe mit mindestens 2 Männern* aus deinem nahen Umfeld ein Gespräch über Dinge, die dir emotional nahe gehen. Und mache selbst die Emotionsarbeit mit diesen/für diese Männer*.

Klingt viel verlangt? Ja. Das hat nichts mit Streik zu tun? Ja, vielleicht. Solltest du dennoch mitmachen? Ja, auf jeden Fall. Wirst du so mehr über deine verschiedenen Beziehungen – auch die mit mir – lernen? Mit Sicherheit. Wir können diesen Monat als Zeitraum unserer Freund:innenschaft betrachten, in dem diese Punkte im Fokus stehen und vielleicht wirken sie auch darüber hinaus?

Deine streikende …

Liebes …,

über den anstehenden Streikmonat in unserer WG, geboren aus der geplanten  Streikaktion der GEA (Gewerkschaft der Emotionsarbeitenden), wurdest du bereits in Kenntnis gesetzt.

Ziel der Streikaktion der GEA ist es jedoch, ganz konkret Emotionsarbeit zu bestreiken, um sie sichtbar zu machen und ihr den Wert zukommen zu lassen, der ihr zusteht. Im besten Fall gegenüber männlich gelesenen Personen aus dem Kreis der Streikenden.

Mich betreffend bist du einer meiner engsten, wenn nicht sogar die engste Bezugsperson, weshalb auf der Hand liegt, dass ich im Rahmen der Überlegungen natürlich auch unsere Beziehung dahingehend unter die Lupe nehme und zu dem Schluss komme, dass ich auch mit dir in den Streik treten möchte.

Die folgend aufgezählten Streikpunkte werden nicht nur für dich, sondern auch für mich eine Herausforderung, denn ich habe großen Respekt vor möglichen Folgeszenarien. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass du mich in dieser Sache ernst nimmst und für dich die Herausforderung annehmen kannst, um im besten Fall daran zu wachsen.

Was ICH vom 08.Februar bis 08. März NICHT TUN werde:

  • Fragen, wie es dir geht (körperlich/emotional), bevor du mich gefragt hast.
  • Planende Fragen in Bezug auf gemeinsame Tages-/Wochengestaltung stellen, bevor du sie gestellt hast.

WARUM?

Grundsätzlich fühle ich mich wohl in unserer Beziehung zueinander. Allerdings sprechen wir selten bis gar nicht über Emotionen und sparen unangenehme Themen, die uns betreffen, gern aus. Mein Ziel ist nicht, dich generell nicht mehr zu fragen wie es dir geht, oder was in dir vorgeht, sondern dass du es mindestens in gleichem Maße tust. Ich weiß, dass du vermutlich die meisten Dinge, die in meinem Leben passieren, registrierst, aber oft nicht nachfragst. Das führt z.B. dazu, dass ich davon ausgehe, dass dich dieser Part meines Lebens nicht interessiert, was aber sicher nicht der Fall ist. 

Nach weiteren Überlegungen komme ich auf die Idee, dass ich eigentlich nicht noch mehr bestreiken möchte, sondern dir eine kleine Liste an „Hausaufgaben“ für den besagten Zeitraum mit auf den Weg geben will, über die wir uns dann zeitnah austauschen. Ich glaube nämlich, dass etwas mehr „Frau“ in deinem Leben eventuell dazu führen könnte, dass du automatisch sensibilisierter gegenüber dem wirst, was ich ein kleines bisschen vermisse. Daher…

Was DU vom 08.Februar bis 08.März TUN sollst:

  • die Serien GÖSTA und SEX sowie den Film WELLNESS FÜR PAARE (alles ARD Mediathek) anschauen
  • eine Playlist aus deinem Musikkosmos erstellen, in denen (ausschließlich) Frauen die Hauptakteure sind (z.B. an den Instrumenten oder auch Gesang)
  • eine Strichliste anfertigen, für jedes Kochvideo, dass du dir anschaust, unterteilt nach männlicher und weiblicher kochender Person
  • einen Text oder auch eine Audiodatei verfassen, in dem du mir zumindest eine (sexuelle) Fantasie ausführlich schilderst (no pressure – auch wenn ich kein Teil davon bin)
  •  eine „Mindmap“ entwickelst, in der du die weiblich gelesenen Personen aus deinem Umfeld und deine Beziehung zu ihnen darstellst (z.B. Familie, Freundinnen, Arbeitskoleginnen, was schätzt du an ihnen, wie hat sich eure Beziehung entwickelt und warum, …)

Klingt viel verlangt? Ja. Hat nichts mit Streik zu tun? Ja, vielleicht. Solltest du dennoch mitmachen? Ja, auf jeden Fall. Werden wir Spaß und Ernst damit haben? Mit Sicherheit. 

Meinethalben können wir diesen Monat als Zeitraum unserer Beziehung betrachten, in dem diese Punkte im Fokus stehen und darüber hinaus wirken können.

Der 08. März ist dann der Stichtag, an dem wir uns noch einmal an einen Tisch setzen und ggf. in die Tarifverhandlungsrunde treten. Gern bei Bier oder Weinschorle mit einer abschließenden Runde Dart und/oder Sex *zwinker*. 

In Liebe,  das vorfreudig aufgeregt und gespannte

8M: Nicht zurück zum Normalzustand!

Streikposten FAU Dresden am 8M
14-17 Uhr, König*innenufer (Filmnächtegelände)

Das Traumpaar Patriarchat und Kapitalismus hat auch ein Jahr nach Pandemiebeginn nicht mehr zu bieten als Applaus? Wir schon – und das müssen wir auch! Denn: für uns Frauen und Queers ist jeden Tag Krise – und das nicht erst seit Corona. Deshalb sagen wir: STREIK!

Hier findet ihr den kompletten Aufruf

8M: Feministischer Schulstreik – Fürs Leben lernen? Fürs Leben kämpfen!

Schüler:innengewerkschaft Schwarze Rose

Wir sagen: Das Private ist politisch und gehört in die Klassenzimmer! Deshalb rufen wir, die Schüler:innengewerkschaft Schwarze Rose, am 8. März alle Schüler:innen und Auszubildenden zum feministischen Streik auf.

8:30-10:00 Uhr BSZ Karl-August-Lingner (Maxim-Gorki-Straße 39)
12:00-13:30 Uhr Semperschule (Bahnhof Neustadt)

Hier findet Ihr den kompletten Aufruf